19.05.2013
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Offener Brief an Frau Pilz

Sehr geehrte Fr. Pilz,
sie schaffen es wirklich in rascher Zeit, mit unqualifizierten Aussagen die Psychiatrie und die in der Psychiatrie tätigen MitarbeiterInnen abzuqualifizieren. Viele MitarbeiterInnen der Basis die den Grünen sehr nahe gestanden sind ,sind enttäuscht und entsetzt wie wenig Ahnung sie von der Arbeit in der Psychiatrie haben. Nur zu behaupten dass mit mehr Personal keine Netzbetten, Gurtenfixierungen etc. zu erreichen sind ist falsch. Leider ist es so, dass Menschen aufgrund ihrer Fremd- und Selbstgefährdung fixiert werden müssen. Dabei kommt es weniger auf die Methode an. Dabei ist es wichtig mit welcher Grundhaltung und Professionalität diese leider notwendigen Freiheitsbeschränkungen durchgeführt werden und wie die Aufarbeitung mit den Betroffenen passiert. Verbietet man ein System werden andere Systeme vermehrt genutzt weil das Grundproblem der Aggression vorhanden ist (verbietet man das Netzbett wird mehr sediert, verbietet man die Sedierung (wie in Holland) werden die Patienten in Isolierzimmer gesperrt usw.). Schön wäre es wenn es Patentrezepte gäbe wo wir alle gesund machen können aber das ist leider eine Illusion und entsprciht nicht der Realität.
Beim Netzbett hat man zumindest mehr Bewegungsfreiheit als bei Gurtenfixierungen wie diese in den anderen Bundesländern und in Deutschland verwendet werden. Die Handhabung der Netzbetten unterliegt genauen Richtlinien und werden streng kontrolliert.
Ein Restrisiko wird es im medizinischen Bereich immer geben. Das Risiko kann minimierte werden dazu ist die Mitarbeit der Angehörigen, der Patienten und der Gesellschaft notwendig. Arbeitet ein Diabetiker gegen jegliche Therapieempfehlungen können sie eine Hyperglykämie nicht verhindern - so gut kann gar nicht observiert werden. Genau so verhält es sich bei psychiatrischen PatientInnen. Ich kenne noch die gesperrten psychiatrischen Stationen in Wien. Es gab mehr und tragischere Zwischenfälle als die Türen versperrt waren. Die offene Psychiatrie und diese offene Atmosphäre um die uns viele KollegInnen aus dem Ausland beneiden (und wir haben viele PraktikantInnen aus den verschiedenen europ. Staaten bei uns auf den Stationen) ist durch ihre Kampagne massiv gefährdet. Es melden sich vielleicht eine gewisse Anzahl von unzufriedenen PatientInnen bei Ihnen, die uns auch gut als Borderlinepersönlichkeiten bekannt sind (deren hauptsächliche Zielrichtung die Spaltung von Eltern, Betreuungsteams und Gemeinschaften ist). Die grosse Anzahl der zufriedenen PatientInnen treten nicht so offen auf und teilen ihre Zufriedenheit eher im Stillen mit.
Die MitarbeiterInnen an der Basis sind durch ihre Kampagne massiven Mehrbelastungen ausgesetzt da sie von PatientInnen und Angehörigen bei den Aufnahmeprozedere bereits vorverurteilt werden. Sie müssen den Menschen Dinge erklären deren sie im Vorfeld beschuldigt werden "Wird meine Frau jetzt ins Netzbett gesperrt?", "Tun sie meiner Mutter eh nicht weh?" "Stimmt es, dass wir unsere Tochter nicht besuchen dürfen?".
Sehr geehrte Fr. Pilz, Sie benutzen das System Psychiatrie um ein bisschen Medienpräsenz zu bekommen und das auf Kosten vieler Bürger die es bereits jetzt schwer genug haben. Wählerstimmen wird Ihnen das wenig bringen. Schade dass sie sich nur über viel Negatives in Szene setzen.
Ich hoffe dass sich die MitarbeiterInnen die wirklich hervorragnede Arbeit leisten nicht durch dies Kampagne die sie führen demotivieren lassen und weiterhin Schritt für Schritt Verbesserungen und Weiterentwicklungen vorantreiben ohne Zuhilfenahme schmutziger Tagespolitik.


Name:Mitarbeiter der Psychiatrie
Email:mitarbeiter @wien.at
Datum:21.02.2008 23:04


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