18.03.2010
Tierecke


08.02.2010
VIER PFOTEN: Hundeführschein JA, aber für alle Hunde
Für verhaltensauffällige Hunde brächte ein Hundeführschein keine Besserung, hierzu sind spezielle Trainings vonnöten
Vom 11.  bis zum 13. Februar stimmen die Wiener und Wienerinnen über einen so genannten Hundeführschein ab. Was grundsätzlich ein dankenswerter Vorstoß der SPÖ ist, zeigt bei genauerer Betrachtung gewaltige Mängel. Der Hundeführschein soll nur für Hunde, die der Rasseliste der "Kampfhunde" angehören, gelten. VIER PFOTEN stellt fest: "Kampfhunde" gibt es nicht. Der Begriff stellt keine objektive Definition der Tatsachen dar, sondern ist ein subjektiv durch Menschen geprägter Begriff und keine biologische Einheit.

Das Wesen eines Hundes anhand seiner Rasse vorauszusagen, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Ein Hund jedweder Rasse "ist keine Maschine, kein Reiz-Reaktions-Apparat, der absolut vorhersehbar agiert.", erklärt Johanna Stadler, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN und selbst Hundebesitzerin. Sie betont: "Das Problem mit Hunderassen wie etwa Bullterrier liegt meist an deren Image. Sie gelten als gefährlich und werden daher gerne von denjenigen Menschen genommen, die eine Waffe an der Leine führen wollen. Zusätzlich werden sie oft sogar noch zur Schärfe erzogen. Kein Hund ist von klein auf aggressiv."

VIER PFOTEN spricht sich vehement gegen die Rassentrennung der Tiere durch eine willkürliche Auflistung aus. Ein Hundeführschein hingegen ist unterstützenswert, jeder Hundebesitzer sollte sich darüber im Klaren sein, welche Verantwortung für ein Tier übernommen werden muss. Man darf allerdings nicht glauben, dass ein Hundeführschein Hundebesitzern den richtigen Umgang mit den Tieren dauerhaft beibringt - es ist lediglich ein einmaliges, teilweise theoretisches Schul- und Prüfungsinstrument, das keine Änderung in der Gefahr, die von verhaltensauffälligen Hunden ausgeht, mit sich bringt.

Johanna Stadler fragt sich, ob "eine solche sachlich und wissenschaftlich wenig begründete Anlassgesetzgebung tatsächlich das Bedürfnis der Bevölkerung nach Sicherheit befriedigen kann." Daher fordert VIER PFOTEN: Hundeführschein ja, aber für alle Hunde. Zusätzlich wären Trainings für verhaltensauffällige Hunde jedweder Rasse sowie für deren Besitzer anzuraten. Denn: "Der gefährlichere Partner ist immer am oberen Ende der Leine zu finden", erklärt Stadler.
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Erich Goschler - 08.02.2010 - 16:57:58

Es ist zweifellos richtig, dass es schwierig ist, die Gefährlichkeit von Hunden an bestimmten Rassen festzumachen. Aus meiner 20 jährigen Erfahrung im Tierschutz weiß ich, dass die Halter so genannter "Kampfhunde" großteils Menschen sind, die selbst eine geringe Beißhemmung haben und daher oftmals nicht ungefährlich sind.

Der Österreichische Tierschutzverein spricht sich durchaus für einen verpflichtenden Hundeführschein aus, weil dadurch auch eine gewisse Kontrolle über deren Halter erlangt wird.

Zu bedenken ist auch, dass "Kampfhunde" die im Tierheim landen nicht mehr vermittelbar sind. Sie führen ein unwürdiges Leben im Zwinger über viele Jahre. Die Tiere haben nichts mehr von ihrem Leben und den Vereinen entstehen hohe Kosten.

Anzudenken wäre eine Beschränkung von Handel und Zucht bestimmter Rassen. Jeder Tierfreund kann aus über hunderten Hunderassen wählen, darunter viele liebenswerte und verträgliche Arten. Wer sich bewusst einen "Kampfhund" zulegt verfolgt damit meist gewisse Absichten und tut damit auch dem Hund nichts Gutes.


Erich Goschler,
Präsident
Österreichischer Tierschutzverein