07.09.2010
Ausstellungen & Messen


26.06.2010
Sommer im Jüdischen Museum: Die vergessene Musik des Ernst Toch
 
ernst tochBis 31. Oktober 2010 zeigt das Jüdische Museum Wien die Ausstellung „Ernst Toch. Das Leben als geographische Fuge“. Toch bezeichnete sich selbst als den meistvergessenen Komponisten des 20. Jahrhunderts, obwohl er in der Zwischenkriegszeit zu den meistgespielten Komponisten der 1920er Jahre zählte.

Ernst Toch (1887 – 1964) ist geborener Wiener, aber überhaupt nicht beeinflusst von der Wiener Musik. Er studierte zunächst Philosophie und Medizin, da seine Eltern ihm zwar Klavierunterreicht ermöglichten, ihm aber verbieten, Musiker zu werden, bevor er mit seiner Frau Lilly nach Deutschlang ging und sich ganz der Musik widmete, Er schuf eine neue Musiksprache. Sein Sprechgesang „Die Fuge aus der Geographie“ wurde am Berliner Musik-Festival aufgeführt. Seine Werke fehlten bei keinem deutschen Avantgarde-Festival. Die Nazis bezeichneten ihn in ihrem „Lexikon der Juden in der Musik“ abwertend als fortschrittlichsten Komponisten Deutschlands. 

jüdisches museum_wien_votova1933 begann sein Weg ins Exil. In Hollywood komponierte er in „Frohnarbeit“ Filmmusik für 80 Filme – er wurde drei Mal für den Oscar nominiert - und unterrichtete an der University of Southern California. Nach dem Krieg versagte man Toch die Anerkennung in Österreich und bot ihm keine Rückkehrmöglichkeit. Nach 1945 entstanden sieben Sinfonien, für die er einen Pulitzer-Preis und einen Grammy bekam. Er bleibt ein rastloser Reisender zwischen neuer und alter Heimat – sein Leben gleicht einer geographischen Fuge - bevor er 1964 in Santa Monica stirbt. 

Die Ausstellung ist als temporäre Musikerwohnung gestaltet und verläuft wie eine imaginäre Reise durch Tochs Wohnorte und –räume. Sie bietet eine neue Sicht auf das Werk des Komponisten und seinen untypischen Weg.

Lilly Tampier
Fotos: Ernst Toch in seinen letzten Lebensjahren am Piano in Los Angeles, um 1960, UCLA Library Special Collections;  Jüdisches Museum Wien/Votava
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