23.05.2013
Auto & Verkehr


28.06.2012
"Mautdschungel" in Europa
Bei Reisen mit dem eigenen Pkw lauern häufig versteckte Nebenkosten

Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, muss viele Bestimmungen beachten, die teilweise stark von den österreichischen Gepflogenheiten abweichen. Vor allem die Straßenbenützungsgebühren regeln die einzelnen Länder zum Teil sehr unterschiedlich. "Oft vergessen Urlauber, dass neben den Spritkosten weitere Ausgaben für Vignetten, streckenbezogene Gebühren oder auch Sondermauten anfallen können", erklärt ÖAMTC-Reiseexpertin Silvie Bergant.

So ist zum Beispiel ab der österreichisch-italienischen Grenze bei Thörl-Maglern für eine Fahrt nach Rimini zusätzlich eine Streckenmaut von rund 38 Euro pro Richtung fällig. "Nach der jüngsten Mauterhöhung im Juni kommt auch eine Fahrt nach Split in Kroatien teuer. Im Vorjahr kostete die Autofahrt noch knapp 28 Euro, mittlerweile sind dafür rund 30 Euro pro Strecke fällig", schildert die ÖAMTC-Expertin. "Dazu kommen noch 15 bzw. 30 Euro für die slowenische Wochen- bzw.
Monats-Vignette." Zur Vermeidung unliebsamer Überraschungen sollten sich Reisende vorab über die Mautgebühren im Ausland informieren. Die Touristik-Experten des ÖAMTC haben einen Wegweiser durch den europäischen "Mautdschungel" erstellt.

* Vignettenpflicht: Nicht nur in Österreich muss eine Vignette geklebt werden. Ebenso in der Schweiz, Bulgarien und Slowenien gilt die Vignettenpflicht. Auch in Tschechien und der Slowakei ist die Vignette vorgeschrieben, allerdings nicht für Motorräder. Ein elektronisches Vignettensystem gibt es in Ungarn und Rumänien. Dort erhält der Lenker nach Bezahlung und Angabe des Fahrzeugkennzeichens einen Beleg, den er unbedingt aufbewahren sollte. "Beim Kauf einer elektronischen Vignette ist es ratsam, die Richtigkeit der Daten, vor allem des Kennzeichens, vor der Bestätigung nochmals zu kontrollieren", empfiehlt die ÖAMTC-Touristikerin. Vignetten für Slowenien und die Schweiz sowie die Viacard zur Bezahlung der italienischen Maut sind bei allen ÖAMTC-Stützpunkten erhältlich. Die Slowakei-Vignette gibt es bei den Stützpunkten in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, die tschechische Vignette in der ÖAMTC-Zentrale am Wiener Schubertring. Die ungarische E-Vignette kann man bei der ÖAMTC-Grenzdienststelle Nickelsdorf beziehen.

* Streckenbezogene Maut: Viele europäische Staaten berechnen die Gebühr für die Straßenbenützung nach Streckenlänge. In Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Kroatien, Serbien, Mazedonien, Griechenland, der Türkei, Polen und Norwegen gibt es fixe Mautstellen, an denen bezahlt wird. Auch die Zahlungsmodalitäten können unterschiedlich sein: In Italien werden neben Bargeld auch gängige Kreditkarten akzeptiert, in Frankreich muss bei einigen Stationen die Gebühr bar in einen Trichter geworfen werden. Wechselgeld bekommt man nicht zurück. "An solchen Stationen ist es von Vorteil, wenn man die Maut genau abgezählt dabei hat. Die Abwicklung ist so wesentlich unkomplizierter und schneller", rät die ÖAMTC-Expertin. Mit dem ÖAMTC-Routenplaner unter www.oeamtc.at/routenplaner  können die Mautkosten für die Fahrt in den Urlaub von zu Hause aus berechnet werden. Zusätzlich findet man in den ÖAMTC-Reiseinfos sachdienliche Tipps zu den wichtigsten Bestimmungen in den beliebtesten Reiseländern.

* Sondermauten: Reisende sollten im Urlaubsbudget auch Sondermauten einplanen, die in manchen Ländern zusätzlich zur Vignettenpflicht oder streckenbezogenen Maut anfallen können. In manchen Städten, beispielsweise in London, ist die Einfahrt ins Zentrum gebührenpflichtig. "In Deutschland gibt es mittlerweile in mehr als 50 Städten Umweltzonen. Nur Autos, die beim Schad- und Feinstaubausstoß bestimmte Grenzen nicht überschreiten, dürfen in die Zone", erklärt Bergant. Als Nachweis dient eine kostenpflichtige Umweltplakette, die an ausgewählten ÖAMTC-Stützpunkten erhältlich ist. Infos dazu findet man unter www.oeamtc.at/umweltzonen .

* Tunnel- und Brückengebühren: Bei vielen europäischen Tunnels und Brücken fallen Sondergebühren für die Benützung an, die das Urlaubsbudget stark belasten können. Italien und Frankreich sind zum Beispiel durch den Mont-Blanc-Tunnel sowie den rund 13 Kilometer langen Fréjus-Tunnel verbunden. Die einfache Durchfahrt ist mit zusätzlichen Kosten von 38,90 Euro eine kostspielige Angelegenheit.

Auch die Fahrt durch den Großen St. Bernhard-Tunnel zwischen Italien und der Schweiz ist nicht gebührenfrei. "In Griechenland wird das auf dem Festland gelegene Rion mit Antirion auf dem Peloponnes durch eine acht Kilometer lange, mautpflichtige Brücke verbunden", erklärt die ÖAMTC-Reiseexpertin. "Auch für die Überquerung der dänischen Storebaelt-Brücke, die den Autoverkehr zwischen Kopenhagen und dem kontinentalen Landesteil ermöglicht, werden Gebühren eingehoben." Teuer wird die Autofahrt auch bei Benützung der Öresund-Brücke nach Schweden, hier bezahlt man 43 Euro für die einfache Fahrt.

Mautprellen oder Vignetten nicht zu kleben, sind keine Kavaliersdelikte. "In Slowenien werden für Vignetten-Sünder bis zu 800 Euro Strafe fällig", hält die ÖAMTC-Touristikerin fest. "In der Slowakei ist eine Strafe vom dreifachen des Vignettenpreises vorgesehen, wenn man zu kleben vergisst. Aber auch der zehnfache Preis ist möglich."

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