25.05.2013
Wirtschaftsnews


30.07.2012
E-Control am Zug: Stromlieferanten machen sich Körberlgeld
Viele Lieferanten haben Preissenkung aufgrund neuer Ökostrom-Förderung nicht weitergegeben

Alarmierend: Die Lieferanten geben die günstigeren Großhandelspreise nicht weiter. Und etliche haben aufgrund der neuen Ökostrom-Förderung auch die reinen Energiepreise nicht oder nur unzureichend verbilligt. Das zeigt der aktuelle AK Energiepreis-Monitor bei 14 Stromlieferanten.

"Die Stromhändler behalten sich Preissenkungen ein", resümiert AK Energie-Experte Dominik Pezenka. "Obendrein zahlen die Konsumenten oft doppelt - den neuen Ökostrom-Förderbeitrag bei den Netztarifen und weiterhin den höheren Energiepreis ihrer Lieferanten. Dadurch zahlen Konsumenten mitunter bis zu 30 Euro im Jahr drauf."

Damit muss Schluss sein! Die E-Control hat bereits Mitte Juli angekündigt, die Preise der Stromlieferanten genau zu prüfen - das muss sie nun rasch tun! Und da zeigt sich auch, wie dringend nötig die Beweislastumkehr ist - das Wettbewerbspaket muss raschest auf den Weg gebracht werden.

Eigentlich müssen seit 1. Juli die reinen Energiepreise bei allen Stromlieferanten günstiger sein, da die Ökostrom-Förderkosten nicht mehr über den Energiepreis, sondern als Zuschlag zu den Netztarifen eingehoben werden. Von den 14 geprüften Stromlieferanten hat aber nur die Hälfte die gesunkenen bzw. entfallenen Ökostrom-Förderkosten in einem zweistufigen Senkungsverfahren - zu Jahresbeginn und mit 1. Juli - ordnungsgemäß weitergegeben: Die Unternehmen der Energieallianz - also Wien Energie, EVN und Bewag - waren die ersten Stromlieferanten, die im Jänner und im Juli Preissenkungen angekündigt und transparent vollzogen haben. Etwas verzögert (zu Jahresbeginn), aber auch in einem zweistufigen Verfahren haben die VKW, IKB, Tiwag und die Salzburg AG reagiert.

Von jenen Stromlieferanten, die nicht ordnungsgemäß gesenkt haben, führten der Verbund und die Kelag zwar eine Energiepreisreduktion per 1. Juli durch, die Senkung ist aus AK-Sicht jedoch nicht ausreichend.

Die beobachteten steirischen Unternehmen - Steweag-Steg und Energie Graz - senkten zwar am 1. Juli ihre Preise, erhöhten aber kurz vorher (1. März). Dadurch wurde die Preisreduktion für die Kunden kaum spürbar. Die Energie AG und die Linz AG führten gleichzeitig mit dem neuen Ökostrom-Fördersystem eine Tarifbereinigung durch - ohne Berücksichtigung von befristeten Rabatten gab es dadurch bei der Energie AG eine minimale Senkung der Energiepreise, bei der Linz AG sind die Preise dabei sogar geringfügig gestiegen.

Die Energie Klagenfurt hat auf die Änderung bei der Ökostromförderung überhaupt nicht reagiert. Bei den genannten Unternehmen werden die Kunden jetzt zwischen 10 Euro (Verbund) und knapp 30 Euro (Linz AG, Energie Klagenfurt) im Jahr zusätzlich belastet (bei 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch).

"Die Leidtragenden sind die Konsumenten. Einerseits werden die Preissenkungen durch die geänderte Ökostrom-Förderung nicht fair weitergegeben. Anderseits haben die Konsumenten von den gesunkenen Großhandelspreisen nichts im Geldbörsel gespürt", sagt Pezenka.

Preise sei 2008 um 20% gesunken - Lieferanten haben sie jedoch erhöht!

Laut AK Energiepreis-Monitor sind die Großhandelspreise für Strom seit Jahresbeginn um fast zehn Prozent gesunken, seit Juli 2008 sogar um knapp 20 Prozent. "Diese Preissenkungen wurden bisher von keinem einzigen Versorger weitergegeben. Im Gegenteil: Fast alle Stromlieferanten haben die Preise seit 2008 erhöht", weiß Pezenka.

Nach Ansicht der AK handelt es sich bei den umgeschichteten Ökostrom-Förderkosten um eine Abgabensenkung - und die ist laut Gesetz weiterzugeben. Bei Nicht-Weitergabe drohen Geldstrafen bis zu 50.000 Euro. "Strom ist ohnehin zu teuer. Da muss was getan werden", sagt Pezenka. "Die E-Control muss genau prüfen, die Lieferanten formell auffordern, die Preise zu senken. Tun sie das nicht, muss sie sie anzeigen." Außerdem zeigt das aktuelle Vorgehen der Stromlieferanten, wie dringend nötig das Wettbewerbspaket ist. Die Beweislastumkehr muss schnellstens kommen, wonach die Stromlieferanten - und nicht die Behörden - nachweisen müssen, dass sie ihre Energiepreise entsprechend gesenkt haben.

AK Tipps:

+ Vergleichen Sie die Preise mit dem Energiepreis-Rechner. Achten Sie auf befristete Rabatte und Bindungsfristen in Ihren Verträgen!

+ Wer wenig hat, hat Anspruch auf die Deckelung der Ökostrom-Förderkosten von maximal 20 Euro pro Jahr. Anträge gibt´s beim Gebühren Info Service (GIS).

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Ernst Brandstetter - 30.07.2012 - 16:06:41

Seit 2008 stiegen die Preise allgemein um rund acht Prozent und selbst die Arbeiterkammer kommt in ihrem Strompreismonitor auf eine Erhöhung der Strompreise von durchschnittlich sieben Prozent. Somit wurde Strom real sogar um einen Prozentpunkt billiger, während andere Energieformen massiv im Preis zulegten.

Die Behauptung, dass ein Rückgang der Großhandelspreise seit
2008 nicht weitergegeben worden sei, ist ebenso falsch. Der willkürliche Vergleich mit dem Preisniveau im Juli 2008, dem absoluten Höhepunkt einer Hochkonjunktur, die zu einer kurzfristigen Verdoppelung der Börsennotierungen führte, ist einfach unzulässig. Diese Preisspitzen wurden nie an den Endkunden weitergegeben und können daher auch nicht als Argument verwendet werden. Zurückzuweisen ist auch die Unterstellung, die E-Wirtschaft würde die neue Ökostromregelung nicht rechtskonform umsetzen. Selbst im Preismonitor der Arbeiterkammer gibt es mit einer Ausnahme bei allen untersuchten Unternehmen Preissenkungen um bis zu knapp 0,7 Prozent.

Im Jahr 2011 kostete Strom in Österreich im Schnitt 7,3 Cent pro Kilowattstunde. Das sind nur 37 Prozent des Gesamtpreises von 19,7 Cent, denn zwei Drittel des Strompreises entfallen auf Netzkosten, Steuern und Abgaben. Auch nach dem heute von der E-Control veröffentlichten Household-Energy-Price-Index (HEPI) liegt Österreich im Mittelfeld der EU-15 und unter dem EU-Schnitt von 19,85 Cent pro Kilowattstunde (inklusive Netz und Gebühren/Steuern). Im Durchschnitt der untersuchten Länder stiegen die Strompreise zuletzt ebenfalls stärker als in Österreich.


Oesterreichs Energie
Ernst Brandstetter
Pressesprecher