Equal Pay Day 2025 in Wien – ab heute arbeiten Frauen statistisch „gratis“

Heute, am 22. November 2025, ist in Wien Equal Pay Day. Ab diesem Datum haben Männer im Schnitt bereits so viel verdient wie Frauen in Wien erst mit Jahresende – sofern beide das ganze Jahr über Vollzeit arbeiten. Der Tag macht sichtbar, dass die Lohnschere zwischen Frauen und Männern auch 2025 noch deutlich geöffnet ist.

In Wien fällt der Equal Pay Day heuer zwar am spätesten aller Bundesländer, trotzdem verdienen Frauen im Durchschnitt 11 % weniger als Männer – das sind rund 7.103 Euro brutto pro Jahr weniger. Umgelegt auf das Jahr bedeutet das: Frauen arbeiten statistisch rund 40 Tage „gratis“.

Stand der Daten: offizielle Zahlen von Stadt Wien, Arbeiterkammer/AK, Statistik Austria und BM Frauen, Stand 22.11.2025.

Wichtigste Zahlen zum Equal Pay Day 2025 in Wien

Die zentralen Kennzahlen im Überblick:

KennzahlWert 2025Bezugsgröße
Datum Equal Pay Day Wien22. November 2025ganzjährig Vollzeit-Beschäftigte
Einkommenslücke Wien–11,0 %durchschnittliches Jahresbrutto
Durchschnitt Männer Wien64.703 € brutto/JahrVollzeit, Jahresbrutto
Durchschnitt Frauen Wien57.600 € brutto/JahrVollzeit, Jahresbrutto
„Gratis“-Tage Wien40 Tage22.11. bis 31.12.
Equal Pay Day Österreich2. November 2025Vollzeit, Jahresbrutto
Einkommenslücke Österreich–16,3 %63.451 € Männer vs. 53.128 € Frauen
Equal Pay Day nach BPW-Berechnung13. Februar 202512,18 % Pay Gap, alle Erwerbstätigen
Gender Pay Gap Österreich (Stundenlohn, EU-Vergleich)rund 18 % vs. ca. 12 % in der EUEurostat / Statistik Austria, 2022–2023

Warum fällt der Equal Pay Day 2025 in Wien auf den 22. November?

Der Wiener Equal Pay Day wird von Stadt Wien, Arbeiterkammer und Städtebund auf Basis der durchschnittlichen Jahres-Bruttoeinkommen von ganzjährig vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern berechnet. Ausgehend von den aktuellsten Lohnsteuerdaten wird errechnet, an welchem Tag Männer bereits jenes Einkommen erreicht haben, für das Frauen bis Jahresende arbeiten müssen.

Für Wien ergibt sich 2025 folgendes Bild:

  • Männer: durchschnittlich rund 64.703 € brutto pro Jahr (Vollzeit)
  • Frauen: durchschnittlich rund 57.600 € brutto pro Jahr (Vollzeit)
  • Differenz: 7.103 € bzw. rund 11 % weniger Einkommen für Frauen
  • Umgerechnet: etwa 40 „Gratis“-Tage für Frauen im Jahr 2025

Weil Wien im Bundesländervergleich die geringste Lohnlücke aufweist, liegt der Equal Pay Day hier am spätesten. In westlichen Bundesländern beginnt die symbolische Gratisarbeit schon im Oktober.

Österreichweiter Equal Pay Day 2025: 2. November

Auf gesamtösterreichischer Ebene fällt der Equal Pay Day 2025 auf den 2. November. Auch hier wird die Lücke zwischen den Jahreseinkommen von ganzjährig vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern betrachtet.

Die wichtigsten Zahlen für Österreich:

  • Durchschnitt Männer: rund 63.451 € brutto/Jahr (Vollzeit)
  • Durchschnitt Frauen: rund 53.128 € brutto/Jahr (Vollzeit)
  • Differenz: 10.323 € weniger Einkommen für Frauen
  • Einkommenslücke: rund 16,3 %
  • Symbolisch: Frauen arbeiten 60 Tage „gratis“ – vom 2. November bis Jahresende

Im Vergleich zu 2024 hat sich die Lücke nur minimal verringert. Die Einkommensschere bleibt also groß – auch wenn Wien etwas besser dasteht als der Österreichschnitt.

Weitere Perspektive: Equal Pay Day im Februar und EU-Zahlen

Neben der Berechnung auf Basis der Vollzeit-Jahreseinkommen gibt es in Österreich noch eine zweite, weit verbreitete Betrachtung: die von BPW Austria (Business & Professional Women). Hier werden Bruttojahreseinkommen aller Erwerbstätigen herangezogen – also inklusive Teilzeit.

Ergebnis für 2025:

  • Equal Pay Day nach BPW: 13. Februar 2025
  • Pay Gap: 12,18 %
  • Frauen arbeiten rechnerisch 44 Tage unbezahlt – oder jedes achte Arbeitsjahr
  • Bei unverändertem Tempo wäre Equal Pay frühestens um 2076–2080 realistisch

Im EU-Vergleich liegt Österreich weiter im hinteren Feld. Je nach Datensatz beträgt der Gender Pay Gap bei den Bruttostundenlöhnen rund 18 %, während der EU-Durchschnitt bei ungefähr 12 % liegt. Das zeigt: Die Einkommenslücke ist nicht nur ein Wiener, sondern ein nationales und europäisches Thema.

Hauptursachen für die Lohnlücke

Teilzeit und unbezahlte Care-Arbeit

Frauen leisten in Österreich nach wie vor den Großteil der unbezahlten Arbeit – Haushalt, Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen. Das hat direkte Auswirkungen auf ihre Erwerbsarbeit:

  • Frauen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit, oft über viele Jahre.
  • Teilzeit bedeutet weniger Einkommen, weniger Karrierechancen und langfristig deutlich niedrigere Pensionen.
  • Rund um Kinderbetreuung und Pflege entstehen Karrierebrüche, die sich bei Männern deutlich seltener finden.

Branchen- und Berufssegregation

Eine zentrale Rolle spielt, in welchen Branchen Frauen und Männer jeweils arbeiten. Analysen von Arbeiterkammer und Statistik Austria zeigen:

  • Gut bezahlte „Männerbranchen“ wie Industrie oder Energieversorgung sind nach wie vor männerdominiert.
  • Frauen sind überproportional in sozialen, pädagogischen und Dienstleistungsberufen beschäftigt, die gesellschaftlich wichtig, aber traditionell schlechter bezahlt sind.
  • Selbst innerhalb derselben Branche verdienen Männer häufig mehr – etwa durch höhere Positionen, Zulagen oder Überstunden.

Nicht erklärbare Diskriminierung

Laut Studien von Statistik Austria und der Gleichbehandlungsanwaltschaft lässt sich nur etwa ein Drittel des Gender Pay Gaps durch Faktoren wie Branche, Ausbildung oder Arbeitszeit erklären. Rund zwei Drittel der Lücke bleiben „unerklärt“ – hier spielt das Geschlecht selbst eine zentrale Rolle.

Die Gleichbehandlungsanwaltschaft weist außerdem darauf hin, dass Entgeltdiskriminierung häufig schon bei der Einstufung zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses beginnt. Auch der sogenannte „ask gap“ – also die unterschiedlichen Möglichkeiten und Erfolgschancen bei Gehaltsverhandlungen – trägt dazu bei, dass Frauen schlechter bezahlt werden.

Expert:innen-Stimmen zum Equal Pay Day 2025

  • Kathrin Gaál (Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Wien): Sie bezeichnet den Equal Pay Day als jährliches „Zeugnis“, dass das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit noch nicht überall Realität ist. Gerechte Bezahlung ist für sie eine Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben und eine faire Pension; ein Schwerpunkt liegt auf Lohntransparenz als Hebel gegen Ungleichheit.
  • Veronika Adensamer & Viktoria Reisinger (AK Wien): Die beiden Ökonominnen analysieren, dass der österreichweite Gender Pay Gap 2025 trotz leichter Verbesserungen 16,3 % beträgt. Frauen verdienen im Schnitt rund 10.323 € weniger pro Jahr – und arbeiten ab dem 2. November de facto „gratis“. Wien hat zwar mit 11 % die kleinste Lücke, aber auch hier zeigt sich, wie stark Branchenmix und Beschäftigungsstruktur den Gap beeinflussen.
  • Sandra Konstatzky (Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft): Sie betont, dass hinter vielen „Erklärungen“ für ungleiche Bezahlung oft stereotype Geschlechterrollen stehen. Lohntransparenz sei ein Meilenstein, weil erst mit klaren Zahlen strukturelle Diskriminierung sichtbar und rechtlich bekämpfbar werde.
  • BPW Austria (Business & Professional Women): Das Frauennetzwerk erinnert daran, dass Frauen nach ihrer Berechnung 2025 44 Tage gratis arbeiten – und dass ohne zusätzliche Maßnahmen volle Einkommensgleichheit erst in mehreren Jahrzehnten erreicht würde. Der Equal Pay Day im Februar soll bewusst machen, dass Ungleichheit viele Lebensjahre und auch die Pension betrifft.

Was Politik, Unternehmen und Beschäftigte in Wien jetzt tun können

Anforderungen an Politik und Stadt Wien

  • EU-Lohntransparenzrichtlinie konsequent umsetzen: Bis Mitte 2026 müssen Unternehmen klare, zugängliche Gehaltssysteme und Berichtspflichten einführen – inklusive verpflichtender Analysen, wenn Unterschiede von über 5 % auftreten.
  • Ausbau von Kinderbetreuung und Pflegeangeboten: Ganztags- und Randzeitenbetreuung, leistbare Pflege und ein Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze reduzieren die Notwendigkeit von Teilzeit – und damit das Einkommensrisiko von Frauen.
  • Aufwertung frauendominierter Berufe: Bessere Bezahlung in Pflege, Sozialbereich, Bildung und Dienstleistung sowie stärkere gewerkschaftliche Mitbestimmung sind zentrale Hebel gegen strukturelle Unterbewertung.

Was Unternehmen konkret tun können

  • Regelmäßige Equal-Pay-Checks durchführen: Gehälter systematisch nach Geschlecht, Position, Betriebszugehörigkeit und Arbeitszeit auswerten – und ungerechtfertigte Unterschiede aktiv schließen.
  • Transparente Gehaltsbänder und objektive Kriterien für Einstufung, Beförderung und Boni schaffen.
  • Vereinbarkeit für alle Geschlechter fördern: Führung in Teilzeit ermöglichen, flexible Modelle für Frauen und Männer und Karenzzeiten partnerschaftlich unterstützen.
  • Unconscious-Bias-Trainings anbieten und Führungskräfte für geschlechtersensible Personalentscheidungen schulen.

Was du persönlich tun kannst

  • Informationen einholen: Kollektivvertrag, Gehaltstabellen, Branchenreports und interne Gehaltsspannen kennen.
  • Gehaltsgespräche vorbereiten: Eigene Leistungen konkret machen, Marktwerte recherchieren und Vergleichswerte parat haben.
  • Beratung nutzen: Bei Verdacht auf Entgeltdiskriminierung an Arbeiterkammer, Gewerkschaft oder Gleichbehandlungsanwaltschaft wenden.
  • Über Geld reden: Je offener Kolleg:innen über Einkommen sprechen, desto schwieriger ist es, ungerechte Unterschiede zu verstecken.

FAQ zum Equal Pay Day 2025 in Wien

Was bedeutet der Equal Pay Day 2025 in Wien konkret?

Der Equal Pay Day markiert jenen Tag, ab dem Frauen – im Vergleich zu Männern – statistisch „gratis“ arbeiten. In Wien ist das 2025 der 22. November. Bis zu diesem Datum haben Männer bei Vollzeitbeschäftigung bereits das Jahresgehalt erreicht, für das Frauen bis 31. Dezember arbeiten müssen.

Wie groß ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Wien?

In Wien verdienen ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen im Schnitt rund 11 % weniger als Männer. Männer kommen auf etwa 64.703 € brutto pro Jahr, Frauen auf rund 57.600 €. Das entspricht einer Differenz von 7.103 € und rund 40 unbezahlten Tagen.

Worin unterscheidet sich Wien vom österreichweiten Durchschnitt?

Österreichweit beträgt die Einkommenslücke 2025 rund 16,3 %, der nationale Equal Pay Day liegt bereits am 2. November. Wien hat damit die geringste Lohnlücke aller Bundesländer, aber auch hier bleibt ein spürbarer Unterschied – echte Gleichstellung ist noch nicht erreicht.

Warum gibt es unterschiedliche Equal-Pay-Day-Termine?

Verschiedene Organisationen verwenden unterschiedliche Datensätze und Definitionen. Stadt Wien, Arbeiterkammer und Städtebund rechnen mit den Jahreseinkommen von Vollzeitbeschäftigten. BPW Austria berücksichtigt die Bruttojahreseinkommen aller Erwerbstätigen (inklusive Teilzeit) und kommt deshalb 2025 auf einen Equal Pay Day am 13. Februar. Beide Methoden zeigen dieselbe Botschaft: Frauen verdienen im Schnitt deutlich weniger.

Welche Rolle spielt die EU-Lohntransparenzrichtlinie?

Die EU-Lohntransparenzrichtlinie verpflichtet Mitgliedstaaten, bis 2026 klare Regeln zu schaffen: Beschäftigte sollen Informationen zu Gehältern und Entgeltstrukturen bekommen, größere Betriebe müssen regelmäßige Gender-Pay-Analysen durchführen. Ab bestimmten Schwellenwerten sind Gleichstellungs- und Entgeltbewertungen verpflichtend. Ziel ist, unfaire Unterschiede sichtbar zu machen und systematisch abzubauen.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich beim Gehalt benachteiligt werde?

In Österreich können sich Betroffene an die Arbeiterkammer, an ihre Gewerkschaft oder an die Gleichbehandlungsanwaltschaft wenden. Dort gibt es rechtliche Beratung, Unterstützung bei der Durchsetzung von Ansprüchen und Hilfe, um Entgeltdiskriminierung nachzuweisen. Wichtig ist, frühzeitig Unterlagen zu sammeln und sich beraten zu lassen.

WICHTIG: ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR – Sollten Ihnen Fehler im Text auffallen, oder Sie als Arbeitgeber oder Expert:in etwas ergänzen möchten – gerne bei uns per Mail melden!